Die Schiessbrille

Eine Schießbrille ist eine sorgfältig für die jeweilige Disziplin angepasste Korrektionsbrille mit gleichzeitiger Schutzwirkung. Schiessbrillenanpassungen laufen bei uns wie folgt ab:

Augenglasbestimmung in unserem Haus:

Nur so können die Werte eine perfekte Grundlage zur eigentlichen Schiessbrille werden. Von alten oder woher-auch-immer Werten gehen wir nicht aus. Danach suchen wir zusammen die passende Fassung aus oder es können selbstverständlich auch eigene Fassungen oder Schießbrillen verglast werden.

Der Abgleich auf dem Schießstand:

Nach der Augenglasbestimmung erfolgt der Abgleich auf dem Schießstand. Die Gemeinde Bönen besitzt einen 25m LP/LG und einen 25/50m KK Stand. Die Stadt Hamm (mein Stammverein) einen 100m GK/KK und einen 25m GK/KK Stand. Dort können wir unter realistischen Bedingungen die Werte abgleichen und den richtigen Durchblickspunkt der Augen beim Zielvorgang durch das Brillenglas festlegen. Der Stand in Hamm kann dazu am Samstag nachmittag besucht werden.

Die Theorie:

Warum eine Schießbrille?  Das Zielen ist ein komplexer Vorgang der hohe Ansprüche an das Sehen, der Motorik und der Konzentration stellt. Auf das Training und die Hardware hat nur der Schütze selbst einfluß. Aus vielen Gesprächen, die ich bei Wettkämpfen und Trainingszeiten mit anderen Schützen geführt habe, ist hervorgegangen, daß das Sehen beim Schießen noch optimiert werden kann.

Das Auge kann sich durch Brechwertänderung der eigenen Linse auf Ferne und Nähe einstellen (Akkommodation). Kimme und Korn sind im mittleren Nahbereich und können nur mit entsprechender Fokussierung scharf gesehen werden, wohingegen das Ziel im Fernbereich ist. Kimme und Korn müßen deutlich sein, sonst ist kein perfekter Zielvorgang möglich. Der Lichtspalt zwischen Kimme und Korn muß klar zu erkennen sein, nur dann sind Zielfehler wie z.B. Fein- oder Vollkorn zu erkennen.

Der falsche Zielvorgang sieht so aus, daß das Auge zwischen Ziel und Visierung hin und her fokussiert. Das bedeutet eine schnelle Ermüdung des Auges.

Mit der richtig angepassten Schießbrille kann das Auge die Visierung scharf sehen, aber das Ziel leicht unscharf. Das Auge kann nicht mehr zwischen Visier und Ziel hin und her schwenken. Eine unscharfes Ziel bedeutet nicht, daß man dort keine Details mehr ausmachen kann. Der richtige Haltepunkt (z.B. Spiegel aufsitzend oder die BDMP PP1/NPA Scheiben) ist immer noch zu erkennen. Ich persönlich nutze z.B. meine Schießbrillen auch für Leuchtpunktdisziplinen.

Ein weiterer Faktor ist der optische Mittelpunkt, der in den Alltags-Brillen bei normaler Kopf- und Körperhaltung vor der Pupille liegt. Während eines Zielvorganges nutzt man andere Bereiche des Brillenglases. Beim Blick durch die Randbereiche eines Brillenglases entstehen Abbildungsfehler und prismatische Wirkungen, die sie störend auswirken. Bei der individuellen Schießbrille werden diese Gegebenheiten berücksichtigt, d.h. der optische Mittelpunkt entsprechend versetzt.

Kontaktlinsen sind für den Schießsport ungeeignet, da sie wegen der verminderten Lidschlagfrequenz beim Zielvorgang an der Oberfläche abtrocknen können und dann keine einwandfreie Abbildungsqualität mehr besitzen.